Info: Was ist ein Euronorm-Behälter?

Seit Beginn der 1960er Jahre ist das Comité Européen de Normalisation (CEN) in Brüssel damit befasst, für den europäischen Raum einheitlich gültige Normen zu finden, die zum Beispiel der Kosten-Effizienz und dem freien Handel dienen, weil alle Beteiligten auf die gleichen "Systeme" zugreifen und von deren Normung profitieren. So wurden auch für Behälter, die im Transport, in der Förderung und in der Lagerung benötigt werden, feste Normen definiert, die es möglich machen, dass der Güter- und Warenverkehr im europäischen Raum über Grenzen hinweg erleichtert wird.

Ein Euro-Norm-Behälter, der in Deutschland verwendet wird, kann beispielsweise auch in Italien, in Frankreich, in Portugal oder in den Niederlanden genutzt werden. Dadurch, dass die einzelnen Behälter-Arten - unabhängig von den Ländern und nationalen Rahmenbedingungen - kompatibel sind, können zum Beispiele viele industrielle Prozesse komfortabler, wirtschaftlicher und leistungsfähiger gestaltet werden. 

Das Comité Européen de Normalisation wurde von der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG; später zur EG und EU erweitert) zusammen mit der EFTA (Europäische Freihandelsvereinigung) gegründet. Die EN-Vorgaben für Behälter legen fest, wie diese beschaffen sein müssen, damit sie für spezifische Funktionen (zum Beispiel: Stapeln, Nesten) geschaffen sind. Maße und "Konstruktion" der Behälter sind klar umrissen, doch gibt es unterschiedliche Materialien, aus denen EN-Behälter gefertigt sein können. Sehr häufig sind EN-Behälter aus Kunststoff gefertigt (zum Beispiel Kleinladungsträger nach VDA-Norm 4500 für Teile der Automobil-Zulieferindustrie), es gibt jedoch auch Behälter aus Metall (zum Beispiel für Schüttgüter), aus Glas, aus Keramik, aus Holz und aus Holz-Erzeugnissen (Euro-Norm-Karton). 

Kosten-Nutzen-Verhältnis

EN-Behälter sind ein bewährtes Transport- und Förderhilfsmittel, aber ebenso unentbehrlich, um für eine geordnete Lagerung der Inhalte zu sorgen, insbesondere nach den Kriterien der Kosten-Nutzen-Effizienz (leichte Reinigung; langer Lebenszyklus, etwa bei Kunststoff-Behältern; bequemes Recycling), der Raum-Ausnutzung (Beispiele: Raumgewinn der nestbaren Transport- und Lagerbehälter im Leer-Zustand; Stapelbarkeit) und des Handlings (Beispiele: Behälter mit und ohne Deckel; Behälter mit und ohne Griffe; Klapp-Behälter, Falt-Behälter, Sichtlager-Behälter usw.). 
Ein wesentlicher Vorteil von Euro-Norm-Behältern ist, dass diese in vielen Formaten gängig und lieferbar sind. Viele der Behälter sind auch für Förderanlagen geeignet, was sie in teilweise oder vollständig automatisierten Prozessen interessant macht (Beispiel: Behälter, die für Transportband- und Rollenbahnen geeignet sind; AKL-Behälter).

Unterteilung in Klassen

Nach ihrer Funktion können die Euro-Norm-Behälter unterschieden werden, beispielsweise in Stapelbehälter, Lagerkästen für Regale, Lagerkästen mit Sichtfenster, Behälter mit geringem Raumbedarf und / oder Klapp- bzw. Falt-Technik sowie AKL-Behälter, Behälter für Paletten bzw. Großbehälter; darüber hinaus Behälter, die abschließbar oder aus leitfähigem Material (genormte ESD-Behälter) hergestellt sind. 

Zu den wichtigsten EN-Behältern zählen jene vielfältigen Formate aus Kunststoff, die stapelbar sind (so etwa Lebensmittelbehälter; Kisten, die mit einem Rollwagen bewegt werden können; Drehstapelbehälter und leicht nestbare - also "schachtelbare" - Behälter). 

Nur einige Beispiele - stellvertretend für eine schier unüberschaubare Anzahl von Varianten - seien hier genannt:

  • Geschlossene EN-Stapelbehälter mit undurchlässigem Boden und nicht durchbrochenen Wänden. Die meist glatten Wände sind leicht zu reinigen, daher besonders hygienisch beim erneuten Einsatz. Die Kunststoffe widerstehen Temperaturen (übermäßiger Kälte oder Hitze), aber auch chemischen Stoffen (Säuren oder Laugen). Am Ende des Lebenszyklus' lassen sich die Kunststoffbehälter leicht recyceln. Es gibt sie etwa mit geschlossenen oder offenen Handgriffen, um das Handling zu verbessern. 
  • Durchbrochene EN-Stapelbehälter mit ebenem oder durchbrochenem Boden, durchbrochenen Wänden und einer guten Eignung, um Luft-Zirkulation oder Flüssigkeiten-Abfluss während des Transportes oder während der Lagerung zu erleichtern. Diese EN-Stapelbehälter sind insbesondere in der Lebensmittelindustrie gefragt. Die bequeme Reinigung und der hohe Hygiene-Standard der Behälter sorgen für einen langen Lebenszyklus, was die Kosten-Nutzen-Effizienz fördert. Die durchbrochenen Seitenwände des Behälters sorgen auch im gestapelten Zustand dafür, dass der Inhalt jederzeit sichtbar wird. Ein lose aufliegender Deckel (Auflagedeckel) kann für den zusätzlichen Schutz der Waren sorgen. 
  • EN-Stapelbehälter mit einem Deckel zum Auf- und Zuklappen (Scharnierdeckel) tragen dazu bei, dass spezifische Produkte praktisch, aber gut verschlossen transportiert und gelagert werden können. Trotz des Deckels sind auch diese Behälter sehr leicht zu stapeln; oft sind sie auch auf den Transport mit Euro-Paletten abgestimmt. 
  • EN-Koffer sind eigentlich geschlossene Eurobehälter, die mit einem oder zwei Griffen und Verschlüssen versehen zum perfekten Transportbehälter werden, der auch mit der Hand sehr gut getragen werden kann. Da alle Seiten geschlossen sind, kann beim Tragen nichts herausfallen; Scharniere und Verschlüsse am Deckel gewährleisten den sicheren Transport. 
  • Eine Sonderform sind Drehstapelbehälter, die man auch als 180°-Behälter bezeichnen kann. Denn im befüllten Zustand lassen sich die Behälter ideal stapeln: übereinander! Im leeren Zustand können sie ineinander genestet werden, wodurch sehr viel Volumen eingespart wird. Hierzu wird jeder zweite Behälter gedreht um 180° in den vorigen gesetzt. 
  • Und noch eine weitere Sonderform ist sehr bekannt: Das sind jene Behälter, die als Kleinladungsträger die Automobilindustrie revolutionierten. Sie wurden nach Norm 4500 vom Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) speziell für diese Branche entwickelt. Sie erfüllen alle Zwecke, die extrem standardisierte und automatisierte Produktionsprozesse in der Automobilindustrie erfordern.

Die Vorzüge der Euro-Norm-Behälter setzen sich sogar noch fort: Es gibt EN-Behälter, die für Rollenbahnen geeignet sind, um mittels Kastenroller bewegt zu werden; solche Behälter, die durch Auflage-, Scharnier- oder Stulp-Deckel verschlossen werden können, einen Rippen-Boden als Anti-Schmutz-Schutz haben und mehr. Die Konstruktionsmerkmale der EN-Behälter sind so vielfältig wie deren Einsatzmöglichkeiten. Die Behälter lassen sich etwa zusätzlich mit einer praktischen Eingriffsöffnung ausstatten, mit Sichtscheiben versehen (Sichtlagerkästen) oder mit Tragestangen ausrüsten. 

EN-Stapelbehälter sind nahezu universell verwendbar. Zudem können sie in vielen Sonderfarben (passend zum jeweiligen Unternehmen) produziert und individuell bedruckt werden. 

  • Regal- und Sichtlager-Kästen können aus Kunststoff oder aus Pappe gefertigt sein. Kleine Teile oder Werkzeuge lassen sich darin hervorragend aufbewahren - mit oder ohne Deckel. Insbesondere die Sichtlager-Kästen (meist Kunststoff-Behälter mit einem Sichtglas aus Acryl) eignen sich dazu, ein übersichtliches Lager einzurichten. Alle Inhalte und deren Menge sind auf einen Blick erkennbar, doch bietet die Scheibe einen zusätzlichen Schutz, damit nichts aus den Kästen fällt oder zu stark verstaubt. Mittels Transport-Roller können die Kästen rasch im Lager bewegt werden. 
  • Nestbare Behälter, auch Drehstapelbehälter oder Raumsparbehälter genannt, sind - wie oben schon beschrieben - raffinierte Helfer: Sie können mit ihren Inhalten leicht und stabil gestapelt werden, während sie im Leerzustand nur noch einen Bruchteil des vorherigen Volumens beanspruchen, weil die Behälter ineinander genestet werden. 
  • Palettenbehälter nach EN-Maß können zum Beispiel Gitterboxen aus Metall sein, die große Maschinen-Teile aufnehmen. 

Aus Kostengründen nutzen viele Unternehmen, gerade im innereuropäischen Warenverkehr, die praktischen Transport-, Förderhilfs- und Lagerhilfsmittel im Euroformat. Da gerade die Kunststoff-Behälter im EN-Maß leicht zu reinigen, hygienisch, meist lebensmitteltauglich, widerstandsfähig (etwa gegen viele Säuren und Laugen) und robust konstruiert sind, aber auch in automatisierten Anlagen vorteilhaft wirken (Beispiel: Kleinladungsträger, genormte AKL-Behälter), sind sie in allen Branchen weit verbreitet.